16.05.2022

Aufgaben und Übungen | Wissen

Die unsichtbare Hand: drei Übungen zur Selbstregulation des Marktes

Nicht der Staat soll den Markt lenken, sondern «die unsichtbare Hand»: Der Markt schafft das ganz von selbst. Diese Idee hat ihren Ursprung im 18. Jahrhundert bei Adam Smith, dem Vater der modernen Ökonomie. Doch wie weit kann sich der Markt wirklich selbst regulieren? Wo sind die Grenzen dieses ökonomischen Prinzips? Thomas Schneiter von der Wirtschafts-Olympiade erklärt es mithilfe von drei Übungen.

Bild: m_____me via Unsplash

Die unsichtbare Hand – eine Metapher von Adam Smith

Adam Smith, geboren 1723 in Schottland, gilt als Vater der modernen Ökonomie. Berühmt wurde er durch sein Werk «Der Wohlstand der Nationen». Darin zeigt er, wie die unsichtbare Hand den Markt lenkt. Dabei handelt es sich um eine Metapher für die Selbstregulation von Angebot und Nachfrage. Seine These: Wenn jedes Individuum seine eigenen Interessen verfolgt, nützt sie oder er der Allgemeinheit am meisten.

 

Ein Bäcker verkauft sein Brot nicht aus Güte, sondern aus Eigennutz. Konkurrenz sorgt für sinkende Preise und ein breites Angebot an Produkten. Indem der Bäcker seinen Wohlstand mehrt, dient er der Gesellschaft. Ein Tausch ist stets freiwillig und findet statt, weil beide Seiten davon profitieren. Angenommen der Bäcker möchte sein Brot mit Wein tauschen. Wie findet er die Weinproduzentin, die Brot möchte?

 

Die Lösung ist die Erfindung des Geldes. Der Tauschwert der Waren wird untereinander vergleichbar und im Preis abgebildet. Die unsichtbare Hand sorgt dafür, dass der Wein in ausreichender Menge zum Bäcker gelangt. Die unsichtbare Hand lenkt ein Wirtschaftssystem, frei von staatlichen Eingriffen. Mit dieser Vorstellung wurde Adam Smith zum Propheten der freien Marktwirtschaft.

 

Adam Smith. (Bild: Cadell and Davies (1811), John Horsburgh (1828) oder R.C. Bell (1872) via WikiMedia Commons)

 

Marktgleichgewicht im Preis-Mengen-Diagramm

Um einen Markt grafisch darzustellen, wird das Preis-Mengen-Diagramm verwendet. Auf der X-Achse wird der Preis eines Produktes oder einer Dienstleistung abgebildet. Auf der Y-Achse ist die Menge eines Produktes oder einer Dienstleistung zu finden.

 

Die Nachfragekurve zeigt von oben nach unten. Das bedeutet: Je höher der Preis ausfällt, desto geringer ist die Nachfrage (und umgekehrt). Das liegt einerseits daran, dass manche Interessenten sich ein teures Produkt nicht leisten können (z. B. Sportwagen oder Designerkleidung). Andererseits wird es Kunden geben, die zwar ausreichend Geld hätten, aber nicht bereit sind, den geforderten Preis zu zahlen.

 

Hingegen zeigt die Angebotskurve von unten nach oben. Je höher der Verkaufspreis ist, desto größer wird das Angebot sein (und umgekehrt). Ein hoher Preis bietet mehr Potenzial für Gewinne, sodass mehr Verkäufer auf dem Markt aktiv sind und die bestehenden Anbieter ihr Sortiment ausweiten. Weiter ermöglicht ein hoher Preis kostenintensive Produktionsprozesse. Es wird also mehr Betriebe geben, die überhaupt ein Angebot machen können.

 

Ausgeglichen ist der Markt nur bei einem Preis, der eine identische Angebots- und Nachfragemenge erzeugt. Dieser Punkt wird als Marktgleichgewicht bezeichnet, die jeweiligen Achsenwerte entsprechend als Gleichgewichtspreis und Gleichgewichtsmenge. Im Preis-Mengen-Diagramm ist diese Situation im Schnittpunkt von Angebots- und Nachfragekurve zu finden.

 

Marktgleichgewicht im P-M-Diagramm.

 

 

1) Nachfrage und Angebot von Flugtickets

a) Wir befinden uns im Jahr 2019. Zeichne das Preis-Mengen-Diagramm für Flugtickets Zürich-London der Fluggesellschaft Swiss.

b) Durch die Pandemie herrscht grosse Unsicherheit beim Fliegen. Es werden diverse Einreisebeschränkungen eingeführt. Welche Veränderung von Nachfrage und/oder Angebot der Flugtickets sind zu erwarten? Zeichne die Veränderungen im Diagramm ein.

 

2) Nachfrage und Angebot von Wärmepumpenheizungen

a) Wir befinden uns im Jahr 2021. Zeichne das Preis-Mengen-Diagramm für Wärmepumpenheizungen in der Schweiz.

b) Im Februar 2022 greift Russland die Ukraine durch eine grossangelegte Invasion an. In den nächsten Wochen und Monaten werden unterschiedliche Wirtschaftssanktionen gegen Russland durch die internationale Gemeinschaft ausgesprochen. Welche Veränderung von Nachfrage und/oder Angebot von Wärmepumpenheizungen sind in der Schweiz zurzeit spürbar? Zeichne die Veränderungen im Diagramm ein.

 

3)  Externe Einflüsse auf die Schweizer Pharmaunternehmen

a) Welche externen Einflüsse existieren zurzeit, welche sich positiv oder negativ auf die Schweizer Pharmaunternehmen auswirken?

b) Welche staatlichen Interventionen könnten gegen die negativen Auswirkungen unternommen werden?

 

 

Über den Autor: Thomas Schneiter leitet die Bildungsprogramme bei Young Enterprise Switzerland (YES) und schliesst dieses Jahr seine Ausbildung in Wirtschaftspädagogik ab. Er hilft bei der nationalen Koordination der Wirtschafts-Olympiade mit und engagiert sich seit deren Pilotierung für die WO-Community. Ausserdem repräsentiert er die Schweiz im Executive Board der internationalen Wirtschafts-Olympiade und gestaltet so die strategische Ausrichtung des weltweiten Netzwerkes mit.

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